Rotwein lädt zum Sitzen ein

Am 25. Januar spielte Iron & Wine in Berlin. Tolle Stimme, toller Gig  – so man denn zu zweit und wankelmütig ist.

Iron & Wine, das ist Musik zum Kuscheln. Die man hört, wenn man zu zweit im Bett liegt. Oder alleine, an einem kalten, regnerischen Tag. Gitarrenmusik irgendwo, im Ensemble aber eher orchestral. Nichts für Exzesse, eher was für ein Glas Rotwein. Höchstens zwei.

Iron & Wine, das ist vor allem Sam Beam, ein gut aussehender US-Amerikaner mit Rauschebart. Egal mit wem er spielt oder auftritt, denn allein ist er nie, bleibt er wohl das musikalische Mastermind hinter den zahlreichen Songs.

Nun kam er also nach Berlin auf großer Europatournee, brachte einen Cellisten, eine Pianistin, eine Percussionistin und einen Kontrabassisten Schrägstrich Gitarristen mit in Huxley’s neue Welt an der Hasenheide. Ihn selbst an der Gitarre nicht zu vergessen. Es gibt ein umfangreiches Werk zu präsentieren, wenn auch nicht alle Songs von professionellen Studioalben kommen, so ist das Repertoire mehr als abendfüllend.

Das Huxley’s kennt man eher aus feucht-klebrigen, biergeschwängerten Nächten, in denen sich kalter und frischer Rauch zu harmonischen Schwaden formieren. Bei Iron & Wine ist das anders. Über der Bühne hängen zahlreiche, wattene Wolken, von den Boden-LEDs eindrucksvoll angestrahlt, davor eine unendliche zivilisierte Meute aus schmusenden Pärchen und zart kreischenden Frauen mittleren Alters, die wirken, als würden sie Sam Beim die Kleider am liebsten mit den Zähnen vom Leibe reißen. Ohne, dass das jemals unangenehm wirken könnte.

Die Stimme ist eine Wucht

Das Konzert dann ist irgendwo eine Wucht. Die Stimme  – eine Wucht. Selten allein gezeigt, wunderbar kombiniert mit ebenjener der Pianistin, entsteht dieses orchestrale, fast theaterhafte Schau- und Klangspiel, das einen vergessen lässt, dass man ohne Begleitung ist oder in Tieferes verschwinden kann. Wenn die Songs sich auch sehr ähneln, so sehr, dass der Laie sie kaum unterscheiden kann, so ist es doch Genusswerk.

Einzig die fast zwei Stunden auf der Bühne ermüden doch irgendwann. Zwischendrin verschwindet das Ensemble, der großartige Sam Beam bleibt allein zurück auf der Bühne, performt solo. Macht Witze. Die gut ankommen. Dann ist die Band zurück mit aufgeklebten Rauschebärten, spielt ein letztes Encore in perfektionistischer Manier. Und dann sind sie weg. Nur das halbvolle Glas Rotwein auf dem Verstärker steht noch da. Eigentlich ein Konzert zum Sitzen.

  • Iron & Wine spielen in Europa außerdem noch in der Schweiz, in Österreich und Italien  

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