Mai 2018

Die Tage lang, kurz glimmt die Nacht,
dass manchem Gefühl neu Feuer entfacht.
Die Bäume stehen, es fühlt sich so an,
als wenn Wiederkehrendes wieder begann.
Dabei ist’s noch nicht so weit,
die Welt, sie macht sich nur langsam bereit.

Nicht so der Mensch in ihr, hegt Wünsche, Träume,
und wartet ganz anders als die alten Bäume,
höchst ungeduldig auf deren Erfüllung,
Hatz das Gebot der Stunde und das der Stimmung.
Die Ferne das Ziel, auch da geht’s schnell hin,
je schneller man ist, desto größer der Zeitgewinn.

Andernorts Entschleunigung, die ihre Wirkung erst entfaltet,
wenn der Alltag sich anmaßt und wieder die Zeit gestaltet.
Lang Herbeigesehntes endet meist am schnellsten,
verachtet wird dann der große Zeitgewinn,
die gewonnene Zeit drei Runden im Sinn,
und man merkt: Zuhause scheint die Sonne am hellsten.

Jann-Luca Zinser

April 2018

Am Löwenzahn der Zeit wird jedes Leben noch zur Pusteblume

Wenn die Sonne strahlt, dass der Kopf ganz neblig ist,
der Löwenzahn blüht und die Gedanken frisst,
dann ist der Frühling leider ausgeblieben,
wurden der Pflanzen Blüten zu früh ausgetrieben.

Dabei hat diese Zeit des Jahres doch ihre ganz eigne Magie,
macht sanften Übergang für Mensch und Vieh,
die der Gewöhnung an das Wetter doch bedürfen,
bevor sie wieder Kaltes schlürfen.

Jetzt schon wieder vom Herbst zu sprechen,
scheint ob der lang gewordnen Tage ganz vermessen.
Doch ward auch der zuletzt häufiger vergessen,
als würd‘ die Natur sich für irgendwas rächen.

Unschuldslämmer gibt’s nur weidend auf den Wiesen,
die die Menschen mit ihrem Gifte gießen.
Damit die Obstbäume immer früher entbinden,
so wird der Mensch sein Ende als Fallobst finden.

Jann-Luca Zinser

März 2018

Fastenzeit

Und es begab sich, dass ein Blinder sich verirrte
Durch goldene Pforten in der Hesperiten Garten,
Betört von wohlig klingenden Gesängen,
Sieh hin! Schau Her!
Was unter der Sonne Kraft so funkelnd vor dir lacht.

Am Ort an dem die Quellen nie versieben,
stößt lieblich zarter Hauch
die Worte der Versuchung aus
und trifft auf taube Ohren, harter Brauch,
enthaltsam, von nun an nicht zu lieben.

Nach einem Tag und einer Nacht,
den Samen sicher an sein Ziel geschafft,
Geht auf die Knie er nieder
Inmitten ewig blühender
Wiesen
Und gräbt ein Loch.
So möge doch
Ein endlich Keim hier für ihn sprießen.

Und um die Saat zu wässern, folgt er nun dem Rauschen,
Aus dem verwunsch‘nen Weiher streift die Nymphenhand
Um am Schopfe ihn zu packen,
Unentwegt, dem Pfade treu
Versagt er ihrem Zauberbann
Und schöpft drei Tropfen
Sobald zurück, beginnt er neu.
und bringt die nächsten Drei heran.

40 Tage lang.

In stummer Frömmigkeit,
Kein Wasser er getrunken,
Durstend nach der schönsten aller Blüten.

Und es begab sich, dass ein Finder unbeirrt
Durch goldene Pforten verlässt der Nymphen Wundergarten,
Gesäumt von zartesten Geränken.
Sieh hin! Schau her!
Was ohne seiner Augen Kraft so blühend er gebracht.

Ein Opfer
Dir zu zeigen
Ihr Kopf, er soll an deiner Stelle
sich in Endlichkeit
verneigen.

Kenneth Koslowski

Februar 2018

Bald ist’s geschafft, die Wüste durchquert
Der eisige Wind, der die Blätter durchfährt
Auch er wird längst gewesen sein
Wenn das Licht, wenn der gelbe Schein
Wolken grau vom Himmel ringt
Wenn der gelbe Schein durch die Blätter dringt

Auf und nieder und zu zieht sich die Luft
Füllt sich bald mit neuem, anhaltendem Duft
Noch lässt er auf sich warten
In der Städte Garten
Mögen die Knospen aufsteigen gen Blau
Bald löst sich der Braunblätter letzter Tau

Dann werden sie wieder zusammen steh‘n
Hand in Hand die Straßen lang zieh‘n
Aus dem nichts werden sie da gewesen sein
Zu aller Wunder, nur kurz stellt sich’s ein
Dann ward‘s vergessen wie alle Wunder nur
Außer das eine, das der Natur.

Jann-Luca Zinser

Januar 2018

Endlich aus der Depression erwacht
Die ein Jahresende mit sich bringt
Wo man hingeht, ist Wende angedacht
Ein jeder kämpft, ein jeder ringt
Guckt zurück, guckt auf sich und sieht
Wie der Rauch sich bald verzieht

Die eigene Renaissance zu sehen
Die Blüten als Neustart zu verstehen
Auch wenn ihr Blühen in der Ferne liegt
Scheint die Sonne, ist die Ferne bald besiegt

Auch jedem Ende ist ein Zauber eigen
Wer ihn findet darf ihn behalten
Sich einordnen in den hellen Reigen
Derer die auch im Winter nicht erkalten

Der Blick flüchtet nach vorn in höchster Sehnsucht
Das nächste Ende bleibt nicht aus, kommt mit Wucht
Doch bis dahin wird viel Zeit vergehen
Die Welt in Licht getaucht und Farben sehen

Jann-Luca Zinser

Dezember 2017

Wie lang kann ein Winter sein?
Wie kommt man hier raus, wie kam ich hier rein?

Wann endet die kalte Jahreszeit?
Wann ist es vorbei, wann bin ich bereit?

Die Steine im Weg sind eisüberzogen.
Die falsche Zeit, es ist Zeit für geglättete Wogen.
Wann bin ich falsch abgebogen?

Drüben riecht’s süß. Drüben ist’s fein.
Aber: Wie lang kann dieser Winter sein?

Jann-Luca Zinser